Aktuelles zum Thema Haftpflichtversicherung

Die Kommentare der Politiker zeigen Ignoranz.

Bitte zeichnet diese Petition.

Die haben noch nicht verstanden, um was es geht.

Hier ist es gut beschrieben:

Warum sind Hebammen plötzlich so ein Risiko für die Versicherer?
Den Beitrag finden Sie hier:

 

http://web.de/magazine/gesundheit/blog/18714212-hebammen-ploetzlich-risiko-versicherer.html

Nach den niederschmetternden Aussagen von Bundespolitikern gestern im Bundestag gibt es nachfolgenden offenen Brief an Angela Merkel als neuen Thread zur E-Petition des Bundestages (Nr. 50667 – Hebammen) mit Angaben zur Klagebegleitung für alle werdenden Eltern, die keine Hebammen mehr finden und für alle Hebammen, die keine Versicherung mehr finden:

…im Nachgang zu der Darstellung des Gesundheitsministers Gröhe aus der Plenarsitzung des Deutschen Bundestages vom 20.03.2014, nachzusehen in der Mediathek des Bundestages, mit einer Länge von 9 Minuten zitiere ich Statements:

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, SPD: „Die Versorgung der Hebammen in Deutschland ist gut/ es sind nur 1% der Hebammen betroffen…“

Dr. Roy Kühne, CDU/CSU ist gegen gefühlsduselige Petitionen, er möchte „bei den Fakten“ bleiben.

Erich Irlsdorfer, CDU/CSU spricht von einem „Randproblem“, da die meisten Frauen sowieso ins Krankenhaus gehen.

ALLE IRREN!!!

Also muss eine Klarstellung erfolgen:

Gesundheitsminister Gröhe ist nicht ausreichend informiert. Es mag daran liegen, dass er keine Ressourcen hat. Auch wenn es ihm eine Herzensangelegenheit ist, sich für Hebammen einzusetzen, hat er sich mit diesem Auftritt keinen Orden verdient!

Es sind 20.000 – 30.000 Hebammen betroffen. Das heißt: Auch die in Krankenhäusern angestellten Hebammen. Also mitnichten eine Randgruppe sondern ALLE HEBAMMEN. Da hilft es nichts, wenn die meisten Frauen sowieso ins Krankenhaus gehen, denn auch dort werden sie keine Hebammenhilfe in Anspruch nehmen, da die Haftpflichtversicherungen für ALLE HEBAMMEN wegfallen.

Ich will es deshalb auch ganz kurz machen:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,

20.000 bis 30.000 Hebammen wird es in naher Zukunft nicht mehr geben. Das ist Fakt. Damit verbunden fallen zugleich weg geburtliche Vorsorgeleistungen, geburtliche Nachsorgeleistungen und ein Katalog kleinster familiensorgender Hilfeleistungen, der nirgendwo nachgelesen werden kann, von Hebammen aber geleistet wird.

Um Transparenz in diese Sachlage zu bekommen, können Sie nicht auf die üblichen Informationsmittel zurückgreifen. Die Presse ist nicht informiert. Ich habe in keiner der einschlägigen „großen“ Zeitungen auch nur eine annähernd umfassende, inhaltlich richtige und in der gesellschaftlichen Bedeutung transparente Darstellung gelesen, mit Ausnahme der Süddeutschen vom 21.03.2014. Weder in der „Zeit“, noch im „Spiegel“, noch im „Stern“, noch in anderen Publikationen.

Die falsche Darstellung im Spiegel hat mit einiger Verzögerung in zeitlicher Hinsicht dazu geführt, dass eine hochhrangige Verbandsvertreterin der Hebammen dies richtig gestellt hat. Allerdings auch nur als Leserbrief.

Die Hebammenverbände können Sie hierzu allerdings auch nur sehr eingeschränkt befragen, weil diese Ihnen nicht einmal genau sagen können, wieviel Hebammen es in Deutschland eigentlich gibt. Dies liegt möglicherweise ebenfalls an mangelnden Ressourcen. Viele Hebammen fühlen sich auch nicht bzw. nicht angemessen von den Verbänden vertreten.

Das in Deutschland existierende interdisziplinäre Gremium für gesellschaftliche Fragen, der Ethikrat, hat bislang – seit über 14 Tagen – auf eine E-Mail dahingehend, ob er sich mit der Thematik beschäftigt, nicht einmal reagiert. Er hat vielleicht keine Ressourcen.

Die Hebammen selber werden gerne mit Ihnen sprechen. Stellvertretend für viele bietet sich an Frau Brigitte Bremer vom Rüttenscheider Hebammen-Team, Essen. 55 Jahre alt. Erfahren.

Zur Vorbereitung wäre es hilfreich, wenn Referenten die entsprechenden facebook-Seiten, etwa „Hebammenunterstützung“, „Hebammenpolitik“ einmal inhaltlich aufnehmen würden, weil sich dort doch eine ganze Reihe von Argumenten finden, die in der Presse bislang keinen Niederschlag gefunden haben.

Diese 20.000 – 30.000 Hebammen wird es nicht mehr geben und es wird zu einer schweren Verschiebung im sozialen Gefüge kommen. Einer dieser Verschiebungspunkte wird sein, dass das Recht von Müttern, wie und wo sie gebären wollen, leerläuft. Vom Recht der Berufsfreiheit für Hebammen einmal ganz zu schweigen.

Auch die in vielen Kommunen in Zusammenarbeit mit Hebammen geplanten Angebote wird es nicht mehr geben, weil es keine Hebammen mehr gibt. Etwa die deutschlandweite Initiative „Frühe Hilfen“.

Dafür werden 20.000 bis 30.000 Hebammen arbeitslos. Dazu gehören Frauen, die durchaus in ihren Zweit- und Drittberufen und auch weil sie jünger sind, möglicherweise noch anders weiterarbeiten können. Sie arbeiten aber lieber als Hebammen.

Dazu gehören aber auch Frauen jenseits der 50, und vor allem die Freiberufler, die unter ALG II fallen werden. Sie verlieren ihre kleinen Ersparnisse für die Altervorsorge, müssen Wohnung, Auto, Versicherung aufgeben und mit dem daraufhin stattfindenden Prozess sicherlich auch noch den Rest an Motivation.

Freiberufler werden von dem, was sie haben nicht leben können und von dem, was sie bekommen auch nicht. Richtig ist, dass man in vielen Bereichen Deutschlands als Reinigungskraft mehr verdient als als Hebamme. Dies ist aber etwas anderes.

Die Kampagne „Das erste Gesicht“ von Björn Schönfeld aus Lüneburg, will mit Fotos die Wichtigkeit des Hebammenberufs darstellen.

In naher Zukunft wird man sich womöglich wehleidig an die Zeiten erinnern, als es noch Hebammen als erste Gesichter für Neugeborene gab. Was in naher Zukunft sein wird weiß keiner. Wer darf denn Geburten machen? Nur Hebammen.

Die Nachsorgeleistungen von denen die Rede ist und die Hebammen durchführen, werden mit Sicherheit nicht von Ärzten durchgeführt werden. Diese sind dazu nicht ausgebildet, nicht in der Lage, nicht Willens und werden dafür auch nicht bezahlt werden. Sie würden auch nicht zu dem Lohn und zu den Zeiten arbeiten, zu dem Hebammen ihren Beruf ausüben.

Die hier stattfindende Veränderung im gesellschaftlichen Gefüge betrifft aber auch noch Weiterungen ganz anderer Art:

Vergleichen Sie die Kaiserschnittraten in entwickelten Demokratien und halten Sie sich vor Augen, dass Kaiserschnitt eigentlich nur eine Notlösung ist. Lassen Sie die Zahlen für sich sprechen. Sie werden feststellen, dass diese intensiven Eingriffe in ihrer Häufigkeit einen Grund haben. Hebammen helfen, viele Kaiserschnitte zu vermeiden. Fragen Sie die Hebammen.

Damit verbunden sind beispielsweise körperliche Aspekte bei Neugeborenen, wie der, dass sie bestimmte Abwehrstoffe nicht ausbilden können, die sie bei einer normalen Geburt körperlich ausbilden können.

Werfen Sie auch einen Blick auf die Hebammenentwicklung in den anderen Ländern. In den USA, in Frankreich und in Europa. Dazu können die Hebammenverbände etwas sagen. Sie werden feststellen, dass Deutschland kein Einzelfall ist.

Ich rege auch an nachzufragen, in welcher Art und Weise Berechnungsgrundlagen für die Haftpflichtprämien zustande kommen. Die 50/50 Haftpflichtverteilung zwischen Krankenhaus-organisationen/Ärzten/Hebammen führt dazu, dass Hebammen wohl auch in einer Vielzahl von Fällen für Dinge haften, die sie selbst ursächlich nicht verursacht haben. Dies ist ein Missstand! Dies ist eine Ungerechtigkeit!

Ich rege an, spezialisierte Anwälte für diesen Bereich zu befragen, die eine fachmännische Stellungnahme dahingehend abgeben können, ob ihre jahrelange Tätigkeit im Bereich Geburtsschädenproblematik sie zu der Erfahrung bringen, dass ganz überwiegend Hebammen Verschulden trifft, oder vielleicht ganz überwiegend nicht. Dem wäre nachzugehen.

Dem könnte man auch dadurch nachgehen, dass man Versicherungen dazu befragt. Möglicherweise dürfen diese keine Auskunft geben. Ihre Aktuare dürften aber unpersonalisierte Statistiken mit genauer Aufschlüsselung benutzen müssen für ihr Formelwerk.

Es wird auch nicht möglich sein, die Angelegenheit nicht zügig zu bearbeiten, da bereits jetzt Hebammen aufhören zu arbeiten, Schwangere deshalb keine Hebammen mehr bekommen, und deshalb der Unmut steigt.

Es steigt nicht nur der Unmut, es ist auch Verzweiflung zu spüren, selbst bei denen, die als gestandene Frauen jahrzehntelang ihren Beitrag dazu geleistet haben, dass in der Gesellschaft noch ein weibliches Element bei der Gestaltung der Geburt vorhanden war, welches jetzt wohl wegfällt.

Es gibt Folgeschäden, die bereits jetzt absehbar sind und in einer Folgenabschätzung von Ihren Experten sicherlich auch beziffert werden können.

Ca. 60 bis 70 Familien betreut eine Hebamme durchschnittlich im Jahr, die Intensivbetreuung macht. Hebammen, die dies nicht tun, betreuen noch weit mehr Fälle.

Wir sammeln jetzt die Fälle, in denen werdende Mütter und Eltern keine Hebamme mehr bekommen und klagen das Recht ein. Dies mögen in den nächsten Wochen nur mehrere hundert Fälle sein, in 1 bis 2 Monaten nur mehrere Tausend, in 4 bis 5 Monaten mehrere Zehntausend, aber möglichersweise in einem Dreivierteljahr mehrere hunderttausend Fälle. Dafür werden möglicherweise vor den Gerichten und für die Gerichte neue Stellen eingerichtet werden müssen.

Wir schaffen die entsprechenden Fonds und Anlaufstellen und werden auch die entsprechenden Hebammen unterstützen, die ihr Grundrecht auf Berufsausübung einklagen.

Klagen dauert lange. Zeit vergeht, die für eine Lösung dann nicht mehr vorhanden ist.

Mit anderen Worten, hier muss seitens der Politik schnell und nachhaltig gehandelt werden. Ganz sicher zunächst einmal schnell, aber danach nachhaltig.

Den Ansprüchen, die die Regierung für sich selbst postuliert an eine aufgeklärte Familienpolitik wird nur eine schnelle und deutliche Hilfeentscheidung gerecht werden können.

Geben Sie den Hebammen Mikrofone und lassen Sie sich aufsprechen, was Sie an einzelnen Hilfeleistungen noch über den üblichen Katalog hinaus leisten, wieviel Zeit sie brauchen, die sie nicht abrechnen können und wie sie in ihrer Berufsausübung durch unsägliche zusätzliche Belastungen wie überflüssiges Qualitätsmanagement belastet werden. Lassen Sie diese von den Referenten auswerten, nachdem sie in Schreibbüros geschrieben wurden und sehen Sie sie als eine Fülle von Beispielen, die Ihnen jede Menge Argumentation in jede auch nur denkbare politische Richtung gehen werden.

Eine Zusammenfassung davon brauchen Sie sich nicht schreiben zu lassen, denn diese lesen Sie soeben.

Hochachtungsvoll

Michael Etzbach, Rechtsanwalt, Oberhausen

 

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